Zahnarzt Harburg.

Parodontologie.


Per Definition ist Parodontologie die Lehre vom Zahnhalteapparat, dem so genannten Parodontium. Der Zahnhalteapparat fixiert den Zahn im Kiefer, er sorgt dafür, dass unsere Zähne stabil sitzen und in ihrer Lage bleiben. Er besteht aus der Alveole (das ist das knöcherne Fach im Kieferknochen, in das der Zahn eingepasst ist), dem Zahnfleisch, der Wurzelhaut (das ist die Gesamtheit der Fasern, mit denen der Zahn in der Alveole befestigt ist) und dem Wurzelzement. Die Parodontitis (oft fälschlicherweise Parodontose genannt) ist demnach die Entzündung des Zahnhalteapparates.

Die Parodontologie umfasst die Prävention (also die Vorbeugung) und die Behandlung von Erkrankungen oben beschriebenen Zahnhalteapparates. Wie wichtig dies ist, zeigt die kürzlich erschienene Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV), herausgegeben vom Institut der Deutschen Zahnärzte. In dieser Studie wird eine Bestandsaufnahme zur Mundgesundheit der Bevölkerung vorgenommen und der zahnärztliche Versorgungsgrad in Deutschland festgestellt. Nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden die Vorkommenshäufigkeiten zu Zahnkaries, Parodontalerkrankungen und zum Zahnverlust dokumentiert sowie Art und Umfang der zahnärztlichen Versorgung detailliert dargestellt. Demzufolge haben mittelschwere und schwere Parodontalerkrankungen bei Erwachsenen und Senioren seit der letzten Erhebung 1997 um 26,9 Prozent bzw. 23,7 Prozent zugenommen. Parodontalerkrankungen sind gemäß der Studie weit verbreitet.

Unter den Erwachsenen leiden 52,7% unter mittelschweren und 20,5% unter schweren Formen der Parodontitis. Bei den Senioren sind 48,0% von einer mittelschweren und 39,8% von einer schweren Erkrankung betroffen. Karieserkrankungen sind der DMS IV zufolge deutlich rückläufig. Der Parodontologie kommt also zunehmend eine zentrale Rolle in der Erhaltung eines intakten Kauapparates zu. In der gesunden Mundhöhle kommen über 700 verschiedene Bakterienarten vor, von denen die meisten harmlos sind. Manche dieser Bakterien lagern sich auf den Zähnen an. Werden sie dort regelmäßig entfernt, bleiben sie harmlos.

Bei unzureichender Mundhygiene wird die Implantatoberfläche allerdings dauerhaft mit Bakterien besiedelt. Eine schlechte Abwehrlage begünstigt außerdem ihr Wachstum. Diese Bakterien können eine Entzündung auslösen. Zunächst entsteht nur eine Mukositis, eine Entzündung der Schleimhaut, die den Zahn umgibt und die Vorstufe zu einer Parodontitis sein kann.

Bei der Parodontitis kommt es zu einem Abbau des Kieferknochens. Dadurch verliert der Zahn seine Verankerung und lockert sich.

Achtung: Mukositis und Parodontitis können sich entwickeln, ohne dass Sie deutliche Zeichen davon wahrnehmen. Wichtigstes Alarmzeichen ist eine erhöhte Blutungsneigung des Zahnfleisches. Allerdings ist auch die für Sie selbst nur schwer erkennbar. Auch deswegen sind regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt so wichtig.

Am ehesten bemerken Sie Blutungen beim Zähneputzen, Ausspülen oder bei der Arbeit mit der Zahnzwischenraumbürste oder mit der Zahnseide.

Mögliche weitere Zeichen einer Entzündung sind eine Schwellung der Schleimhaut sowie Mundgeruch oder ein schlechter Geschmack im Mund. Ein Zahnarztbesuch wird auch dann notwendig, wenn Sie eine Lockerung Ihres Zahnes bemerken.
Die Therapie einer Parodontitis verfolgt in erster Linie das Ziel harte und weiche Zahnbeläge zu entfernen. Zu diesem Zweck werden mit speziellen Instrumenten und weiteren Hilfsmitteln die Zahn- und im Besonderen die Wurzeloberflächen gereinigt, geglättet und poliert. Mit antibakteriellen Spüllösungen und ggf. medikamentös wird eine Desinfektion der Mundhöhle ermöglicht, so dass pathogene (krankmachende) Bakterien der Mundflora weitergehend eliminiert oder neutralisiert werden.

Die Parodontologie nimmt für sich in Anspruch, die Disziplin zu sein, die ihrer Natur gemäß weit über den Tellerrand hinaus schauen muss. Nicht nur lokale Ursachen, auch so genannte systemische Erkrankungen schwächen den Halteapparat der Zähne. Oft ist ein parodontologisch ausgebildeter Zahnarzt der Erste, der bei Ihnen Anzeichen einer allgemeinen Erkrankung entdeckt. Viele verschiedene Studien und viele Jahre Erfahrung haben gezeigt, dass sich manche schwerwiegende Erkrankung zuerst an Ihren Zähnen zeigt. Die Parodontologie ist wirkliche, „ganzheitliche“ Zahnmedizin.

a) Parodontologie bei Bluthochdruck

Zur Behandlung des Bluthochdrucks (Hypertonie) werden heute häufig Medikamente verordnet, die über lange Zeit eingenommen werden müssen. Bei einer Gruppe dieser Präparate, den so genannten Kalziumantagonisten vom Nifedipin-Typ, können Wucherungen des Zahnfleisches entstehen. Sie sind belastend, nicht nur, weil gewuchertes Zahnfleisch unschön aussieht, sondern auch, weil in fortgeschrittenen Fällen das Kauen erschwert ist. Daneben begünstigt gewuchertes Zahnfleisch die Belagsbildung, die sog. Plaque. Eine chronische Entzündung wird provoziert, Zahnverlust kann die Folge sein.

b) Parodontologie bei Diabetes

b) Parodontologie bei Diabetes
In den westlichen Ländern leiden mindestens 5 Prozent der Menschen an Diabetes mellitus – der „Zuckerkrankheit“ –, Tendenz steigend. Vermutlich wird nur die Hälfte der Erkrankten erkannt. 80 Prozent aller Diabetiker sind über 40 Jahre, 0,05 Prozent unter 15 Jahren alt.
Die Zahnärzte wissen heute, dass eine nicht behandelte Parodontitis bei Diabetikern schneller und heftiger verläuft. Außerdem leiden Diabetiker häufiger unter Wundheilungsstörungen nach Zahnextraktionen, Zahnfleischabszessen,
Zahnfleischentzündungen mit Ulzerationen (Geschwüren) und Rhagaden (Rissen) in den Mundwinkeln. Eine durch Einnahme bestimmter Medikamente verursachte Mundtrockenheit kann diese Symptome noch verstärken.
Sowohl Typ II-Diabetiker (Erwachsene mit primär nicht-insulinabhängigem Diabetes) als auch Typ I-Diabetiker (früher: insulinabhängiger Diabetes im jugendlichen Alter) haben ein 3-fach höheres Risiko für eine Parodontalerkrankung als Nicht-Diabetiker. Außerdem erhöht eine schlecht eingestellte Diabetes das Risiko für Knochenverlust im Kiefer und für einen schwereren Verlauf der Parodontitis.
Ein gut eingestellter Diabetiker hat dagegen kein höheres Risiko als ein Gesunder.
Umgekehrt kann eine nicht erkannte oder nicht behandelte Parodontitis den Schweregrad und die Einstellbarkeit der Diabetes beeinflussen. Deshalb ist es so wichtig, zur Verbesserung des Diabetesstatus bestehende Parodontalerkrankungen konsequent zu behandeln. Je besser Ihre
Diabetes eingestellt ist, desto erfolgreicher wird die zahnärztliche Behandlung sein.

c) Parodontologie bei Nierenerkrankungen und Dialyse

Ein Diabetes mellitus kann – vor allem bei schlechter Blutzuckereinstellung – auf Dauer die Nieren schädigen. Ebenso können Nierenerkrankungen unabhängig auftreten, sich über längere Zeit entwickeln, verschlechtern und eine Dialyse (Blutwäsche), nicht selten eine Nierentransplantation, erforderlich machen.
Gerade für Nierenkranke ist eine entzündungsfreie Mundhöhle von besonderer Bedeutung.

Häufig vernachlässigen Dialysepatienten wegen der Dauerbelastung ihre Mundhygiene. Karies und Parodontitis können die Folge sein. Weil die Parodontitis eine Belastung für den Organismus darstellt und andere Organerkrankungen begünstigen kann, sollte der Mund- und Zahnpflege große Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Von größter Bedeutung für den langfristigen Erfolg aller zahnärztlichen Bemühungen ist die Mitarbeit des Patienten. Wichtig ist vor allem eine regelmäßige und effiziente Mundhygiene. Dazu gehören gründliches Zähneputzen und ganz besonders die Reinigung der Zahnzwischenräume, weiterhin Fluoridierungsmaßnahmen zum Schutz vor Karies, z.B. mit fluoridhaltigen Zahnpasten, Mundspüllösungen sowie Fluoridgelées.

Hier stehen wir Ihnen gern mit Rat und Tat zur Seite. Ergänzt werden sollten Ihre eigenen Bemühungen durch eine mindestens zweimal jährlich durchgeführte professionelle Zahnreinigung. Hierunter versteht man die gründliche Entfernung aller weichen und harten Zahnbeläge durch speziell weitergebildetes Personal, verbunden mit einer individuellen Information über Möglichkeiten, die Mundhygiene zu optimieren.

Ein langfristiger Erfolg der Therapie kann nur durch gemeinsame Bemühungen von Zahnarzt und Patient erreicht werden.
In unserer Praxis verwenden wir für die Parodontalbehandlung ein speziell entwickeltes Ultraschallgerät, wobei mittels Schallwellen die Wurzeloberfläche besonders schonend aber sehr gründlich gereinigt wird. In den meisten Fällen ist dabei kein chirurgischer Eingriff, wie das früher bei den Patienten sehr unbeliebte Aufschneiden des Zahnfleisches zur Freilegung der Wurzeloberfläche, erforderlich.

Besonderer Clou bei diesem Gerät ist, das mittels akkustischer Signale und digitaler Visualisierung angezeigt wird, ob die Wurzeloberfläche vollständig gereinigt ist. Dies geschieht mit Hilfe eines echolotähnlichen Sensors. Dabei erhält der Patient erstmals die Möglichkeit, die Arbeit des Zahnarztes zu „kontrollieren“.